Heidentum - die GrundlagenHeiden können in bestimmten Traditionen ausgebildet worden sein oder nur ihrer eigenen Inspiration folgen. Heidentum ist nicht dogmatisch. Heiden haben ihren eigenen Weg zum Göttlichen, als unmittelbares und sehr persönliches Erlebnis. Die "Pagan Federation" anerkennt die reiche Vielfalt an Traditionen, welche das moderne Heidentum ausmachen. In einer kurzen Einleitung ist es nicht möglich, jede einzelne zu beschreiben. Statt das zu versuchen enthalten diese Seiten eine Einführung in sechs Beispiele bekannterer heidnischer Traditionen. Diese Liste ist nicht vollständig, aber diese sechs Traditionen bieten einen guten Überblick über moderne heidnische Praktiken. Auch eine Leseliste mit Vorschlägen ist vorhanden. Manche Autoren sehen das Auftauchen des Heidentums im 20. Jahrhundert als Wiederaufleben einer älteren heidnischen Tradition und beschreiben daher die erwähnten Traditionen als neu-heidnisch. Dieser Begriff wird auch auf alle jene angewendet, welche eindeutig heidnisch sind, aber keiner der erwähnten Traditionen folgen. Eine Definition für Heide: Anhänger einer polytheistischen oder pantheistischen, die Natur verehrenden Religion. Eine Definition für Heidentum: Eine polytheistische oder pantheistische, die Natur verehrende Religion. Was ist HeidentumHeidentum ist die alte Religion der gesamten Menschheit. Diese alte religiöse Sicht ist in vielen Teilen der Welt auch heute noch aktiv, sowohl in grossen Zivilisationen wie in Japan und Indien, als auch in kleineren Stammesgesellschaften auf der ganzen Welt. Dies war auch die Sichtweise der europäischen Religionen in der klassischen Antike - in Persien, Ägypten, Griechenland und Rom - und ihrer "barbarischen" Nachbarn an den nördlichen Grenzen. Ihre europäische Form erwacht heute im modernen Westen wieder zu vollem Bewusstsein als der Ausdruck wichtiger und zeitgemässer religiöser Grundsätze. Die heidnische Sicht kann als dreiteilig betrachtet werden. Ihre Anhänger verehren die Natur und beten viele Gottwesen an, sowohl Göttinnen als auch Götter. Natur - ihre VerehrungDer Geist des Ortes ist in der heidnischen Religion anerkannt, entweder als personifiziertes Naturphänomen wie ein Berg, ein See oder eine Quelle, oder als eigene Wächtergottheit wie z.B. Athena als Göttin von Athen. Der natürliche Jahreszyklus mit den unterschiedlichen Einflüssen der Jahreszeiten wird von den meisten Heiden als Modell für spirituelles Wachstum und Erneuerung gesehen, als Ablauf, der von verschiedenen Festen geprägt ist, welche je nach Jahreszeit verschiedenen Gottheiten gewidmet sind. Viele Heiden betrachten die Erde selbst als heilig, im alten Griechenland wurde stets der Erde das erste Trankopfer dargebracht, auch wenn Sie weder Priesterschaft noch Tempel hatte. Polytheismus : Pluralismus und VielfaltDie vielen Gottheiten des Heidentums sind Ausdruck der Vielfältigkeit der Natur. Einige Heiden verstehen die Göttinnen und Götter als Gemeinschaft von Individuen, ähnlich der vielfältigen menschlichen Gemeinschaft auf dieser Welt. Andere, wie z.B. die Anhänger von Isis und Osiris seit der Antike und dem Wicca anhängende Heiden unserer modernen Zeit, sehen alle Göttinnen als eine Grosse Göttin und alle Götter als einen Grossen Gott, deren Beziehung zu einander das Geheimnis des Universums darstellt. Wieder andere glauben an ein höchstes göttliches Prinzip, das "Zeus genannt werden will und auch wieder nicht", wie schon Heraklith im 5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung schrieb, oder welches die Grosse Mutter aller Götter ist, wie Apuleius Isis im 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung bezeichnete und wie viele Heiden die Grosse Göttin heute sehen. Wieder andere, wie der römische Kaiser Julian, der grosse Verfechter des Heidentums in der christlichen Antike, und viele Hindu-Mystiker heute, glauben an ein abstraktes Oberstes Prinzip, den Ursprung und die Quelle allen Seins. Doch selbst jene erkennen an, dass es andere spirituelle Wesenheiten gibt, welche vielleicht eins sein mögen mit jenem höchsten Wesen, aber dennoch göttlich und weder falsche noch zersplitterte Götter. Heiden, welche das Eine verehren, werden Henotheisten genannt, Anhänger eines Obersten Göttlichen Prinzips, und nicht etwa Monotheisten, welche nur an einen wahren Gott glauben, neben dem alle anderen Götter falsch sind. Die GöttinAlle heidnischen Religionen erkennen die weibliche Seite der Gottheit an. Eine Religion ohne Göttinnen kann kaum als heidnisch bezeichnet werden. Einige heidnische Wege, wie z.B. der Kult von Odin oder jener von Mithras, verehren ausschliesslich einen männlichen Gott, aber sie bestreiten nicht, wie Monotheisten das tun, dass andere Götter und Göttinnen genauso wirklich sind. (Das Word "Kult" hat immer die besondere Verehrung einer ganz bestimmten Gottheit oder eines ganz bestimmten Pantheons bezeichnet, und ist erst in jüngster Zeit dazu verwendet worden, die Verehrung eines vergöttlichten oder halbgöttlichen menschlichen Anführers zu bezeichnen.) Im Gegensatz dazu lehnen nicht-heidnische Religionen wie Judentum, Christentum und Islam selbst die Idee einer weiblichen Gottheit strikt ab. Der damalige anglikanische Bischof von London sagte vor wenigen Jahren sogar, dass Religionen mit Göttinnen "degeneriert" sind! Andere MerkmaleDie vielen göttlichen Wesenheiten heidnischer Religionen schliessen oft auch Ahnengötter ein. Die angelsächsischen Königshäuser Englands führten ihren Stammbaum auf einen Gott zurück, üblicherweise Wotan, und die keltischen Könige von Cumbria stammten von dem Gott Beli und der Göttin Anna ab. Örtliche und nationale Helden und Heldinnen konnten vergöttlicht werden, wie das bei Julius Caesar der Fall war, und in allen heidnischen Gesellschaften werden auch die Götter des Haushalts verehrt. Unter diesen können auch die Ahnen sein und, eine Zeit lang, kürzlich Verstorbene, welche sich vielleicht noch nicht dazu entschlossen haben, die Welt der Lebenden endgültig zu verlassen. Unter ihnen können die Geister des Ortes sein, entweder als personifizierte Wesen wie der Geist einer Quelle oder eine Hauskröte oder Schlange als Wächter, aber auch als Gruppen von Wesenheiten, wie die Elfen Englands, das Kleine Volk Irlands, die Kobolde in Deutschland, die Barstuccae in Litauen, die Laren und Penaten des antiken Rom, und so weiter. Ein Hausschrein ist Zentrum der Verehrung dieser Wesen und üblicherweise findet ein jährliches Ritual zu ihren Ehren statt. Der Geist des Herdes wird oft verehrt, manches Mal mit täglichen Speis- und Trankopfern, manches Mal mit einem jahrlichen Ritual, bei welchem das Feuer gelöscht und wieder angezündet wird.Durch Ahnenverehrung und Hauskult wird die Kontinuität erhalten und durch die Weitergabe von Merkmalen und Ritualen aus der Vergangenheit erhält die Zukunft ihre Bedeutung. Daher ist nicht alles an heidnischen Religionen öffentlich, vieles spielt sich im Hause ab. Und nicht alle heidnischen Gottheiten sind menschenähnliche Überwesen, viele sind elementar oder kollektiv. Wir haben hier eine Religion, welche das ganze normale alltägliche Leben durchzieht. Eine Folge der Verehrung der Natur, der Sichtweise, dass die Natur eine Manifestation des Göttlichen ist, und kein neutrales oder unbelebtes Objekt, ist, dass Weissagung und Magie akzeptierte Teile des Lebens sind. Augurium, Weissagung durch Beobachtung des Vogelflugs, war in der antiken Welt weitverbreitet und ist es auch in modernen heidnischen Gesellschaften, ebenso wie die Eingeweideschau, Weissagung durch Interpretation der Innereien eines Opfertieres, was auch nur eine komplexere Form der Weissagung durch das Lesen von Teeblättern in einer Tasse ist. So wie sie die schon vorhandenen Zeichen der Gottheiten lesen, können Wahrsager das Universum auch darum bitten, ein Zeichen zu geben, wie z.B. durch das Werfen von Steinen, um die geomantischen Muster zu sehen, in denen sie fallen, durch das Werfen von Runen oder von I Ging-Stäben. Die meisten Heiden glauben, dass die Welt des Göttlichen eine ehrliche Frage um Rat beantwortet. Trancesehen und Medien Sehen werden eben! so verwendet, um mit der Anderswelt in Kontakt zu treten. Magie, das absichtliche Erzielen von Resultaten in dieser Welt mit Mitteln der Anderswelt, wird in heidnischen Gesellschaften generell als machbar akzeptiert, weil geglaubt wird, dass die beiden Welten in ständiger Kommunikation stehen. Im alten Rom hat eine Braut die Türpfosten ihres neuen Heims zeremoniell mit Wolfsfett gesalbt, um Hungernot fernzuhalten, und ihrem Neugeborenen ein gesegntes Amulett umgehängt, um es vor schädlichen Geistern zu beschützen. Die nordischen Krieger der Wikingerzeit warfen magische Kriegsfesseln nach ihren Feinden, um sie zu lähmen. Angelsächsische Manuskripte enthalten Sprüche für Heilung und Fruchtbarkeit. Spezielle magische Praktikanten wie Pferdeflüsterer oder Heiler gibt es in allen heidnischen Gesellschaften. Oft ist die Ausübung von Magie zur unfairen persönlichen Bereicherung oder um anderen zu schaden, verboten, so wie physische Ausbeutung und Angriffe überall verboten sind. Modernes HeidentumDas Heidentum kann heute durch seinen Respekt für Vielfalt, durch seine Weigerung, andere Lebensweisen zu verurteilen, nur weil sie anders als die eigene Art sind, durch seine Verehrung einer natürlichen (und übernatürlichen) Welt, von der westliche Menschen im Zeitalter der Technologie immer mehr isoliert wurden, und durch seinen Respekt für Frauen und das weibliche Prinzip, wie er in den vielen Göttinnen zum Ausdruck kommt, Menschen mit europäischem Hintergrund sehr viel bieten. Daher wird es auch von sehr vielen angenommen. Wenn sie erkennen, dass es sich dabei um ihr eigenes Erbe handelt, steigt seine Anziehungskraft. Die Demokratie, z.B., wurde von den alten Athenern erschaffen, und viel später von den heidnischen Kolonisten Islands, dem Sitz des ältesten europäischen Parlaments, neu erfunden. Unsere moderne Liebe zur Kunst wurde im heidnischen Altertum mit seinen grossartigen Umzügen und seinen Tempeln genauso gefördert, fand aber unter den Bilderstürmern von Christentum und Islam keinen Platz mehr. Die Entwicklung der Wissenschaften, wie wir sie kennen, begann mit dem Wunsch der Griechen und Babylonier, die geheimen Muster der Natur zu erkennen. Die Herausbildung menschlicher Urbanität, das Ideal der gebildeten, abgerundeten Persönlichkeit, kam über die Denker der Renaissance aus den Schriften Ciceros zu uns. In den heidnischen Städten rund um das Mittelmeer war das Land nie weit vom Bewusstsein der Menschen, es gab Parks, Gärten, sogar Zoos, alles Dinge, welche im modernen Europa wieder eingeführt wurden, nicht von den Buchreligionen und nicht von den zweckmässig denkenden Atheisten, sondern von den von der Klassik inspirierten Denkern der Aufklärung. Heute zeigt sich die heidnische Tradition sowohl in Gemeinschaften, welche die Stätten und Gebräuche ihrer Ahnen wieder einfordern (vor allem im östlichen Europa), um die Menschheit zurück in Harmonie mit der Erde zu bringen, als auch in Individuen, welche alleine oder in kleinen Gruppen (vor allem im westlichen Europa und in den von Europäern besiedelten Ländern ausserhalb) unter der Anleitung einer heidnischen Gottheit einem spirituellen Weg folgen. Die meisten modernen Heiden im Westen wollen das Leben freudig und ohne Scham bestätigt sehen, solange niemandem daraus Schaden erwächst. Moderne Heiden neigen dazu, entspannt und im Einklang mit sich selbst und anderen zu sein, und vor allem Frauen besitzen eine Würde, welche ausserhalb heidnischer Kreise nicht immer zu finden ist. Moderne Heiden, welche weder von den Gebräuchen einer etablierten Religion noch von den Dogmen einer Heilslehre behindert werden, sind oft kreativ, verspielt und individualistisch und bejahen die Wichtigkeit der individuellen Psyche, welche mit den grösseren Mächten in Verbindung steht. Respekt für das Leben und der Wunsch, mit anderen zu interagieren statt sie zu dominieren, sind stark. Was der Autor Eugene O'Neil "die kreative heidnische Akzeptanz des Lebens" nannte, ist der Leitsatz der modernen Bewegung. Das bringt etwas Neues ins religiöse und soziale Leben, einen Weg des Pluralismus ohne Zersplitterung, der Kreativität ohne Anarchie. Hier taucht eine uralte Strömung in einer an die Bedürfnisse des modernen Lebens angepassten Form wieder auf. Kind thanks to Marion for the German Translation of this page |